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Woran erkennst du, dass dein Pferd zu wenig Muskeln hat?

Pferde besitzen rund 520 verschiedene Muskeln (Oberflächige Muskulatur, Tiefenmuskulatur, etc). Sie nehmen in etwa 40% der Gesamtmasse des Pferdes in Anspruch. Die Hauptaufgabe der Muskulatur ist „Bewegung“. Sie bestehen zu drei Viertel aus Wasser und ein Viertel aus Eiweißen. Sie sorgt für den nötigen Schub und Antrieb bei langen Galoppaden, das Ausdauervermögen bei Langstrecken- und Rennpferden, die Feinmotorik der Dressurpferde und die explosive Kraft der Westernpferde. Abhängig von der jeweiligen Disziplin werden unterschiedliche Muskelpartien mehr oder weniger stark trainiert und in Anspruch genommen. Deshalb sehen Dressurpferde wie Bodybuilder, Westernpferde wie muskulöse Kraftpakete, Distanzpferde wie Marathonläufer und Rennpferde wie Sprinter aus. Doch egal welche Disziplin, die Muskulatur muss eines jeden Pferdes muss ordentlich und führsorglich behandelt und trainiert werden, damit das Pferd lange schmerzfrei laufen kann. Bei korrekter, tierfreundlicher Arbeitsweise, entwickelt sich diese Muskulatur schlicht weg von selber.

Bei einer ungesunden Reitweise werden „falsche Muskeln“ beansprucht, die lediglich versuchen, ungesunde Bewegungsabläufe zu kompensieren. „Wichtige Muskeln“ die zur Gesunderhaltung unserer Fellnasen wichtig sind, entwickeln sich zurück, da sie kaum oder falsch trainiert werden.

 

Vergleiche dein Pferd nur mit sich selbst!

Es gibt zahlreiche, verschiedenen Pferderassen- und typen. Es gibt mit Sicherheit Ähnlichkeiten zwischen Ihnen, doch trotzdem weisen sie unterschiedliche Körpertypen auf. Demnach kannst du einen schmalen, zierlichen Araber nicht mit einem kräftigen, stämmigen Kaltblut vergleichen. Auch innerhalb der selben Rasse können Abweichungen im Exterieur oder der Bemuskelung auftreten. Beispielsweise gibt es Haflinger, die wie gewohnt etwas stämmiger sind, aber auch Haflinger, die aus einer sportlichen Zuchtlinie stammen und demnach sportlich, schlank sind. Auch Isländer gibt es in stämmiger, robuster als auch in sportlich, eleganter Variante. Du kannst kein American Paint Horse mit einem Oldenburger vergleichen. Exterieur und Bemuskelung sind vollkommen verschieden.

Es ist also weniger sinnvoll, verschiedenen Rassen zu vergleichen. Analysiere stattdessen den Muskelzustand deines Pferdes nach einem gewünschten Zeitraum (beispielsweise nach 3-6 Monaten oder auch im Jahresrhythmus). Wie hat sich die Bemuskelung und der Gesamteindruck deines Pferdes verändert?

 

Wie sieht ein gut bemuskeltes Pferd aus?

Die Basis eines gesunden, gut bemuslkelten Pferdes bilden folgende vier Säulen:

  • optimales, durchdachtes Training
  • Fütterung und Haltung
    • zu wenig oder zu viel Futter?
    • das richtige Futter?
    • Futterqualität (Schimmel, Nässe, zu staubig, …?)
    • dauerhafte Boxenhaltung?
    • wenig Auslauf?
    • fehlender Kontakt zu Artgenossen?
    • Dunkle Stallungen?
  • die Ausrüstung
    • falsches Gebiss?
    • nicht passender Sattel?
    • falsche Sattelgurtform?
    • reibende Bandagen?
    • zu enge Gamaschen?
  • der Gesundheitszustand
    • Zahnprobleme?
    • Krankheiten oder akute Verletzungen?
    • psychische Beschwerden?

 

Die Ober- und Unterlinie des Pferdes (ZEICHNUNG AUS ANATOMIE BUCH)

Strecker- und Beugerketten findet man im gesamten Pferdekörper. Im Bezug auf die Schub- und Tragkraft, spielen die Ober- und Unterlinie des Pferdes eine besonders wichtige Rolle.

Die Streckerkette ist die Muskulatur oberhalb der Wirbelsäule und hinter der Hüfte. Sie umfasst die Ober-Halsmuskulatur und setzt sich fort über die Rückenmuskulatur rechts und links von der Wirbelsäule bis hin zur Kruppenmuskulatur. Sie sorgt für den nötigen Vorwärtsschub der Bewegungen des Pferdes. Es ist die sogenannte „Oberlinie“ des Pferdes.

Die Beugerkette ist die Muskulatur unterhalb der Wirbelsäule und vor der Hüfte. Sie umfasst die gesamte Unter-Halsmuskulatur und setzt sich fort über den Bauchmuskel bis hin zum Oberschenkelmuskel. Sie sorgt für die nötige Versammlung der Bewegungen und Stabilität der Statur des Pferdes. Es ist die sogenannte „Unterlinie“ des Pferdes.

 

So sieht ein Pferd mit optimaler Bemuskelung aus!

  • Die Kurven deines Pferdes wirken gleichmäßig rund und harmonisch. Es spießen keine Knochen hervor und es wirkt auch sonst nicht eckig.
  • Der Bauchmuskel ist sehr gut ausgeprägt.
  • Der Widerrist ist beidseitig gut bemuskelt und zeigt keinerlei Kuhlen rechts und links.
  • Die Muskulatur recht und links von der Wirlbelsäule ist gleichmäßig stark ausgeprägt. Es sind keine Wirbel optisch erkennbar oder offensichtlich spürbar.
  • Der Bauch deines Pferdes ist gut trainiert und straff. Ist ist weder zu dick noch zu dünn. Man sagt auch: „Die Rippen sind nicht sichtbar, aber bei leichtem Druck gut fühl- und ertastbar.“
  • Die Unterhalsmuskulatur ist weniger stark ausgeprägt als die Hals-Oberlinie.
  • Der Mähnenkamm ist nicht speckig!
  • Die Kruppe deines Pferdes ist gut bemuskelt. Sie wirkt muskulös, prall und rund. Die Beckenknochen sind nicht sichtbar. Schenkel- und Wadenmuskulatur sind sehr gut ausgebildet.
  • Die Schulter ist gut bemuskelt. Sie wirkt nicht eckig und es sind keine Umrisse des Schulterblattes deutlich sichtbar.
  • Zwischen Widerrist und Halsansatz ist keine Kuhle. Der Übergang ist sehr harmonisch und gleichmäßig bemuskelt.

 

Verspannungen als Ursache vieler muskulärer Probleme?

Wie erkennst du, ob dein Pferd Verspannngen oder Blockaden hat? Folgende Fragen helfen dir dabei:

  1. Hat dein Pferd eine schlechte und eine gute Seite? (bspw. beim Reiten)
  2. Wie verhält sich dein Pferd auf gebogenen Linien? Nimmt es Stellung und Biegung an oder entzieht es sich den Hilfen?
  3. Belastet dein Pferd alle Muskelpartien seines Körpers gleichermaßen?
  4. Bricht dein Pferd auf dem Zirkel mit der Schulter aus? Kann es die Linie halten? Fällt es auf die innere Schulter?
  5. Werden alle vier Hufe gleichermaßen abgenutzt?
  6. Schlürft dein Pferd mit den Hufspitzen im Sand? Stolpert es regelmäßig?
  7. Läuft dein Pferd taktrein?
  8. Steht dein Pferd gerade oder schief? Steht es geschlossen? Belastet es alle Beine gleichermaßen?
  9. Ist dein Pferd gut oder wenige gut bemuskelt?
  10. Spürtst du Verklebungen, Beulen oder Dellen in der Muskulatur, wenn du sachte darüber streichst?
  11. Sind einzelne Stellen wärmer als andere? Das ist ein Indiz für Entzündungsherde.

 

Wie sieht ein Pferd mit schwacher Muskulatur aus?

Der Rücken

Dein Pferd lässt sich ziemlich unbequem sitzen und drückt bei jeder Bewegung den Rücken weg? Dafür verantwortlich sind meistens Schmerzen im Rücken, oft Folge einer unzureichenden Bemuskelung. Der Widerrist steht hervor und die Wirbel der Wirlbelsäule sind deutlich sichtbar und fühlbar. Der lange Rückenmuskel rechts und links von der Wirlbesäule ist wenig bis kaum ausgeprägt. Häufig bilden sich regelrechte „Kuhlen“ zwischen Widerrist und Wirlbelsäule. Ursachen für dieses Problem können verschiedene sein:

  • ein unpassender Sattel, der besonders im Schulterbereich zu eng ist. Er sitzt auf dem Widerrist auf und kann gelegentlich auch reiben.
  • Fütterungsproblem
  • Krankheiten
  • mangelnde Fachkenntniss im Bezug auf muskelförderndes Training –> falsches Training

Der Bauch

Der Gegenspieler zum langen Rückenmuskel ist der Bauchmuskel. Er sorgt dafür, dass das Pferd seinen Rücken heben und den Reiter tragen kann. Ein schwacher Bauchmuskel ist nicht stark genug, den Rippenkasten zu heben. Der Bauch und infolge dessen auch der Rücken hängen durch.

Zur Kräftigung der Bauchmuskulatur eigent sich das Reiten in einer Vorwärts-Abwärts-Dehnhaltung. Das Pferd streckt sich in Bewegungsrichung, aktiviert die Trab- und Schubkraft und ist in der Lage, sowohl Rücken- als auch Bauchmuskulatur zu nutzen.

Der Hals

Zwischen Widerrist und Halsansatz ist eine deutliche „Kuhle“ sichtbar. Die Ober-Halsmuskulatur ist wenig und die Unter-Halsmuskulatur ist stark ausgeprägt. Das Pferd läuft nicht genug über den Rücken und drückt ihn weg. Häufig kommt es dazu, da manche Reiter ihre Pferde beim Reiten in eine bestimmte Kopf-Hals-Haltung zerren. Beim Springreiten kann man solche Situationen oft beobachten.

Der stark ausgeprägte Hals ist Folge einer übermäßig harten Hand des Reiters. Er reitet mit starkem Einsatz von Hilfszügeln. In Verbindung mit dem starken Unterhals tritt häufig ein schwacher Rücken und eine ebenso schwache Hinterhandmuskulatur auf. Wenig Gymnastizierung unterstützt das ungesunde Bild. Die Pferde tragen den Kopf und Hals sehr hoch, drücken den Rücken Weg, spannen keinerelei Baumuskulatur an und treten nicht unter den Körperschwerpunkt.

Die Schulter

Die Umrisse des Schulterblattes sind deutlich erkennbar und Kanten und Ecken sind zu fühlen.

Die Hinterhand

Zwischen dem Knie und den Hüftknochen ist eine deutliche „Kuhle“ sichtbar. Kruppenmuskeln, Hinterbackenmuskel, Oberschenke- und Wadenmuskel sind wenig stark ausgeprägt. Die Hinterhand wirkt staksig und eingefallen. Die Beckenknochen sind sichtbar und fühlbar. In Verbindung mit dem sog. „herunterriegeln“ und festhalten durch die Reiterhand wird der Rücken klemmig, die Hinterhand wird kaum aktiv und der Unterhals wird beansprucht.

Der Gesamteindruck

Das Pferd macht schlecht bemuskelt einen unharmonischen Eindruck. Für den Betrachter wirkt das Pferd „eckig“.

 

Eine Minderbemuskelung sorgt für Instabilität im Pferdekörper. Bewegungs- und Haltemuskulatur werden in ihrer Funktion eingeschränkt. Dieser Zustand darf nicht als „Normal“ angesehen werden. Schmerzen, Blockaden und Verspannungen können die Folge sein.

 

Quellen:

Trainierst Du Dein Pferd richtig? Was die Bemuskelung Deines Pferdes über das Training aussagt!

https://www.hippovital.at/2015/01/15/anzeichen-von-funktionsst%C3%B6rungen-der-muskulatur-und-deren-auswirkungen/

 

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