Kolik beim Pferd erkennen und behandeln – in 9 Schritten!
So erkennst du eine Kolik beim Pferd
Das Pferd schwitzt, ist unruhig, frisst nicht, schlägt mit den Hufen gegen Bauch und versucht sich ständig hinzulegen und zu wälzen – eine Kolik, der Albtraum eines jeden Pferdebesitzers. Schnelles Handeln ist gefragt, damit das Leben des Tieres gesichert wird. Verdacht auf Kolik ist immer ein Notfall und erfordert den Tierarzt.
Bis der Tierarzt kommt, heißt es „warten, warten und nochmals warten…“ Meist kommen sie recht schnell. Befindet sich der Tierarzt jedoch bereit im Noteinsatz, kann es gelegentlich auch einmal länger dauern. Was kann man nun währenddessen tun, um seinem Tier zu helfen?
9 Sofortmaßnahmen bei einer Kolik
Schritt 1: Rufe sofort den Tierarzt an, insofern dies noch nicht geschehen ist.
Schritt 2: Die Verabreichung von Colosan (Arzneimittel zur Behandlung von Magen-Darm-Störungen und futterbedingten Blähungen) wirkt krampflösend, entspannt den Bauch und wirkt Blähungen entgegen.
Schritt 3: Wenn dein Pferd schwitzt, lege ihm eine Decke auf, damit es nicht auskühlt.
Schritt 4: Lass dein Pferd nicht allein, unbeaufsichtigt in der Box stehen. Wenn es sich hinlegt und an den Boxenwänden festlegt, kann es sich verletzen und kommt im schlimmsten Fall nicht mehr hoch. Führe es stattdessen im Schritt herum. Die leichten Schrittbewegungen wirken krampflösend. Das Pferd darf sich hinlegen, wenn keinerlei Verletzungsrisikos bestehen. Führe es deshalb bestmöglich in der Reithalle. Der weiche Sand ist angenehmer als harter Boden. Zudem ist die Halle groß genug und das Pferd kann sich nicht verletzen.
Schritt 5: Fressen und Trinken ist für dein Pferd tabu! Der Tierarzt muss bei der Behandlung ggf. den Magen auspumpen.
Schritt 6: Liefere dem Tierarzt alle wichtigen Informationen, beispielsweise auch darüber, ob dein Pferd in der Zeit zw. Anruf und Eintreffen des Tierarztes geäppelt hat oder nicht.
Schritt 7: Führe am Zahnfleisch regelmäßig eine Kreislaufkontrolle durch. Drücke dafür sanft mit einem Finger auf das Zahnfleisch. Der Fingerabdruck sollte binnen weniger Sekunden die ursprüngliche rosa Farbe annehmen.
Schritt 8: Bereite dich darauf vor, dein Pferd im schlimmsten Fall in die Klink fahren zu können. Stelle sicher, dass ein Hänger und Fahrer zur Verfügung stehen.
Schritt 9: Denke bereits beim Kauf des Pferdes über eine OP-Versicherung nach. Diese sind in der Regel sinnvoll und finanziell gut bezahlbar.
Doch woran erkenne ich eigentlich, ob mein Pferd eventuell eine Kolik haben könnte?
Symptome
- Dein Pferd verweigert jegliche Art von Bewegung.
- Dein Pferd verweigert das Fressen und Trinken.
- Es wirkt unruhig, scharrt und versucht sich ständig hinzulegen und wieder aufzustehen.
- Der Puls ist erhöht, Schleimhäute sind gerötet und der Kreislauf ist instabil.
- Dein Pferd dreht sich häufig zum Bauch um, beißt danach, oder versucht mit den Beinen gegen die Unterseite des Bauches zu treten.
- Schweißausbrüche, obwohl das Pferd kühl und nicht erhitzt ist, sind ebenso Anzeichen für eine Kolik.
- Dein Pferd wälzt sich auffällig häufig und mehrmals hintereinander in kurzen Abständen.
- Die Bauchmuskulatur fühlt sich hart und verkrampft an.
- Man sieht deinem Pferd die Schmerzen im Gesicht an (weit aufgerissenen Augen, trockenes Maul, intensive, scherfällige Atmung).
- Einige Pferde flehmen bei einer Kolik.
Der Tierarzt ist da, was nun?
In 9 Schritten zur Kolik-Diagnose!
- Während der Tierarzt die Kreislaufstabilität des Tieres checkt, befragt er den Besitzer hinsichtlich bestimmter Fragen, die für die weitere Untersuchung wichtig sein können. Sie liefern dem Tierarzt Informationen zur Beurteilung der Gesamtsituation. Die Untersuchung kann so durch den Besitzer beschleunigt werden. Die Behandlung ist effektiver und gezielter. Folgende Fragen könnte der Tierarzt euch stellen:
- Wann genau waren die ersten Kolik-Symptome erkennbar?
- Wie äußern sich die Beschwerden?
- Hat das Pferd gefressen und getrunken?
- Wurden bereits Medikamente oder homöopatische Mittel verabreicht? Wenn ja, welche?
- Wurde in letzter Zeit das Futter umgestellt?
- Hast du beobachtet, ob dein Pferd schon einmal größere Mengen Sand gefressen hat? Steht es vielleicht sogar regelmäßig auf einem Sandpaddock?
- Entwurmst du dein Pferd regelmäßig?
- Hat dein Pferd geäppelt?
- Der Tierarzt horcht das Herz ab. Er bestimmt die Herzschläge pro Minute. Erhöhte Herzfrequenz ist nicht gut. Um den Schweregrad daran festzustellen, ist es wichtig die PAT-Werte zu kennen und demnach zu wissen, welche Anzahl an Herzschlägen normal ist.
- Der Tierarzt untersucht den Kreislaufzustand mittels der Kapillarfüllungszeit.
- Der Tierarzt misst die Körpertemperatur mit einem Fieberthermometer. Er steckt es dafür sanft in den After. Steht das Pferd unter Schock, kann die Temperatur weiter unter den Normalwert (PAT-Werte) abfallen. Bei gestressten Tieren steigt die Temperatur über den Normalwert (PAT-Werte) an. Eine erhöhte Temperatur lässt zudem auf eine Entzündung im Darm schließen. Sowohl Abfall als auch Anstieg der Temperatur sind typisch für eine Kolik.
- Der Tierarzt horcht die Darmgeräusche mit einem Stethoskop an der Flanke und am Unterbauch ab. Hört man regelmäßiges Blubbern? Ist das Einspritzgeräusch vom Dünndarm in den Dickdarm vorhanden? Hört man an einigen Stellen keinerlei Darmgeräusche? Darüber kann der Tierarzt ausschließen, welche Darmabschnitte betroffen sind und welche nicht.
- Der Tierarzt greift in den Pferde-Po um das hintere Drittel des Darms und die Bauchhöhle beurteilen zu können. Befindet sich Kot im Darm? Wenn ja, holt er ihn heraus. Diese Kotprobe wird auf Fremdkörper, Parasiten, Sand, Schleim und Ähnliches untersucht. Hat das Pferd seit mehr als 24 h nicht geäppelt, besteht Lebensgefahr. Weiterhin prüft der Tierarzt, ob sich Abschnitte verdreht haben, wo der Blinddarm liegt und ob das Pferd auf Druck schmerzempfindlich reagiert. Das ist wichtig um darüber zu entscheiden, ob das Pferd später operiert werden muss.
- Über eine Sonde kann der Tierarzt erfahren, ob sich größere Gegenstände im Magen befinden. Ist der Magen leer, so kommt keine Flüssigkeit aus dem Sondenschlauch. Fließt jedoch von alleine Speichel und Magensaft heraus, ist das ein Zeichen für Magenüberladung. Über die Sonde kann der Tierarzt ebenso den Magen entleeren und ggf. Wasser und Medikamente zuführen.
- Über die Abnahme von Blutproben kann der Tierarzt die Anzahl der roten Blutkörperchen ermitteln.
- Mit dem Ultraschallgerät kann der Tierarzt die Oberfläche des Darms bildlich darstellen. Befindet sich Flüssigkeit im Bauchraum? Befinden sich die einzelnen Darmabschnitte da, wo sie hingehören? Ist der Darm beweglich? Wie dick sind die Darmwände?
Die Reihenfolge kann individuell unterschiedlich sein. Jeder Tierarzt entscheidet für sich selbst, welche Behandlungen und Untersuchungen notwendig sind. Denn je nach Kolik-Fall können Symptome unterschiedlich ausfallen. Auch ein Pferd, das fast keine Symptome zeigt, kann an einer schweren Kolik erkrankt sein. Dieser Fall tritt glücklicherweise nicht so oft auf. Ein Großteil der Kolik-Pferde zeigen deutlich, dass sie Schmerzen haben.
Eine Kolik ist eine Notsituation und kann gelegentlich eine notwendige Operation nach sich ziehen!
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