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Hufrehe bei Pferden

Hufrehe beim Pferd

Was ist Hufrehe bei Pferden?

Hufrehe ist eine immer häufiger werdende Erkrankung des Hufs. Behandelt man sie falsch oder nur sehr mangelhaft, so kann diese Erkrankung weitreichende Folgen nach sich ziehen. Hufrehe ist nach der Kolik die zweithäufigste Todesursache bei Pferden und insbesondere bei Ponys. Ein in diesem Zusammenhang passendes Zitat von Dr. Konstanze Rasch lautet:

Zitat: „Die chronische Hufrehe ist kein reines Naturereignis, sondern vielmehr und weit häufiger ein menschengemachter Zusammenhang, der in erster Linie aus Unwissen entsteht.“

 

Was passiert bei Hufrehe im Huf?

Grundlegend wird bei dieser Erkrankung der Aufhängeapparat des Hufes zerstört. Dieser besteht aus den Blättchenschichten von Hornwand und Huflederhaut, welche zudem in ihren inneren Strukturen eng miteinander verbunden sind. Weiterhin besteht eine enge Verzahnung zwischen der Huflederhaut und dem Hufbein.  Bei Hufrehe kommt es an ausgewählten Stellen im Huf zu mechanisch oder stoffwechselbedingten Durchblutungsstörungen. Dadurch entstehen Ödeme an feinen und sensiblen Blutgefäßnetzen im Pferdehuf. Normalerweise sind viele verschiedene, weiche Strukturen und Häute im Inneren des Hufes wie Zotteln eines Klettverschlusses miteinander verbunden. Damit behalten sie ihre Festigkeit, Struktur und Form. Die Ödemflüssigkeit dringt bei einem Rehefall in die Zwischenräume dieses Verschlusses ein. Es dringt u. a. auch in den Bereich der Huflederhaut ein. Infolge dessen löst bzw. lockert sie die Verbindung zw. den einzelnen Häuten und Knochen. Im schlimmsten Fall reißt die Verbindung zwischen Lederhaut und Hufbein komplett, wodurch das Pferd die gesamte Hufkapsel verliert. Man sagt umgangssprachlich dazu „das Pferd schuht aus“. Das gelockerte Hufbein senkt sich ab in Richtung Sohle. Es kann ein Durchbruch des Hufbeins durch die Sohle erfolgen. Es findet der Vorgang der Hufbeinrotation statt.

Hufbeinrotation bedeutet: durch den Zug der tiefen Beugesehne am hinteren Ende des Hufbeins, an dem sich der Sehnenansatz befindet, richtet sich die Hufbeinspitze nach unten. Das Hufbein rotiert nun um das Hufgelenk.

 

Wodurch wird eine Hufrehe ausgelöst?

Die Hufrehe ist eine äußerst komplexe Erkrankung, die sich durch den gesamten Organismus zieht und letztendlich im Huf sichtbar wird. Genauso komplex und verschieden sind ebenso die Ursachen, welche zur Entstehung von Hufrehe führen. In erster Linie spielt der Magen-Darm-Trakt des Pferdes eine wichtige Rolle. Dabei wurde wissenschaftlich bewiesen, dass vor allem Kohlenhydrate und Endotoxine (sind eine Klasse in der Natur vorkommender chemischer Verbindungen. Sie sind Zerfallsprodukte von Bakterien, die im Menschen zahlreiche physiologische Reaktionen auslösen können.) für das Auftreten der Erkrankung verantwortlich sind. Beispielsweise kann es zu Stoffwechselstörungen des Dickdarms kommen, wenn das Pferd in einer kurzen Zeitspanne große Mengen an Kohlenhydraten zu sich nimmt. Der Dickdarmflora hat keine Möglichkeit sich so schnell anzupassen, wie die Kohlenhydrate zugeführt werden. Stärke- und zuckerspaltende Darmbakterien sterben ab. Dabei werden Toxine freigesetzt, die über den Blutkreislauf in die Huflederhaut gelangen. Dort vollziehen sich nun die komplizierten Enzymreaktionen, welche zu Hufrehe führt.

 

Fruktan

Ebenso bedrohlich für Pferde ist Fruktan. Fruktan ist eine langkettige Zuckerverbindung, welche vor allem von Gräsern als Speicher überschüssiger Energie genutzt wird, wenn diese nicht gleich für das Wachstum der Pflanze verwendet und verbraucht wird.

Solch ein Fall kann beispielsweise dann auftreten, wenn ein sonniger Tag vorliegt, es jedoch äußerst kühl und trocken ist. Frost und extreme Trockenheit erhöhen den Fruktangehalt im Gras. Auch kurze Grasspitzen enthalten einen höheren Anteil an Fruktan.

 

Was passiert, wenn Pferde Gräser mit erhöhtem Fruktangehalt fressen?

Frisst nun das Pferd Gräser, welche mit einem erhöhten Gehalt an Fruktan belastet sind, so besteht die Gefahr, dass der Organismus einen Überschuss an Fruktan aufnimmt. Dieses kann im vorderen Teil des Verdauungssystems kaum verarbeitet werden, was zur Folge hat, dass große Mengen an Fruktan unverarbeitet in den Dickdarm weitergeleitet werden. Die Dickdarmflora ist nicht auf solch einen Überschuss ausgerichtet. Nun vermehren sich die durch das unverdaute Fruktan mitgeführten Bakterien sehr schnell und verdrängen die Darmflora. Die Abbauprodukte der Bakterien führen zu einer Übersäuerung. Dadurch wird eine Kettenreaktion ausgelöst. An deren Ende steht die Auslösung der Hufrehe. Der „Fruktankalender“ zeigt dir, zu welchem Zeitpunkt das Gras besonders reich an Fruktan ist.

 

Weitere Ursachen für die Hufrehe

  1. Geburtsrehe (Nachgeburtsverhalten): Wird die Nachgeburt nicht komplett von der Stute abgestoßen und verbleiben daher noch kleine Teile in der Gebärmutter, so kann dies zu einer Infektion führen. Es handelt sich um einen bakteriellen Vorgang, bei welchem Gifte abgesondert werden, die durch die Gebärmutterwand in den Blutkreislauf gelangen können. Dadurch besteht die Möglichkeit zur Auslösung einer Hufrehe.
  2. Belastungsrehe: Auch infolge von Überlastung kann Hufrehe auftreten. Beispielsweise sind stundenlange Ausritte auf hartem Boden (und ohne Pausen) sowie die Überbelastung durch zu langes Stehen auf nicht entsprechendem Boden oder einseitige Belastung (wenn das Pferd ein Bein schonen muss, durch eine Fraktur o. Ä.) kontraproduktiv und unterstützen eine mögliche Hufrehe.
  3. Toxische Rehe: Ebenso im Verdacht, eine Hufrehe auslösen zu können, stehen eine Reihe von Pilzgiften wie Schimmelpilze, aber auch Fungizide (Ein Fungizid ist ein chemischer oder biologischer Wirkstoff, der Pilze oder ihre Sporen abtötet oder ihr Wachstum für die Zeit seiner Wirksamkeit verhindert. Fungizide werden vor allem in der Landwirtschaft als Pflanzenschutzmittel verwendet.) und Herbizide (chemisches Unkrautvernichtungsmittel) sowie verschiedene Giftpflanzen, wie z. B. das Wiesenschaumkraut.
  4. Cushing Syndrom: Es liegt eine Fehlfunktion der Hirnanhangsdrüse zu Grunde. In den meisten Fällen ist ein gutartiger Tumor vorzufinden. Dieser jedoch produziert große Mengen an ACTH (stammt aus der Hirnanhangsdrüse und beeinflusst die Hormonbildung in den Nebennieren), welches die Nebennierenfunktion stimuliert. Deshalb produziert das Pferd zu viel körpereigenes Cortisol. Zusätzlich können Tumore der Nebenniere ebenso zu einer erhöhten Produktion von Cortisol (Stresshormon) beitragen.
  5. Metabolisches Syndrom: Vor allem Robustpferderassen wie z. Bsp. Islandponys, Fjordpferde oder Haflinger sind davon betroffen. Grundlegend leiden die Tiere an einer Energie- und Stoffwechselstörung. Besonders wichtig dabei ist das Fettgewebe, welches in erster Linie vor allem Leptin und Adiponektin produzieren. Eben diese Hormone sind verantwortlich für das Auftreten von Hufrehe.
  6. Medikamentenrehe: Eine solche Rehe wird entweder durch eine Cortison-Überempfindlichkeit oder durch eine Überdosierung dieses Medikamentes hervorgerufen.
  7. Weitere Entstehungsmöglichkeiten: Rehe als Folge von Koliken, Stress, Darmentzündungen oder Hormonstörungen (bspw. Schilddrüsenunterfunktion).

 

Symotome einer Hufrehe

Da Hufrehe eine ernst zu nehmende Erkrankung ist, sollte sie frühestmöglich erkannt und behandelt werden. Jedoch sind die Symptome einer Rehe nicht immer eindeutig zu klassifizieren.

  • Der Huf ist auffällig warm, da eine Entzündung im Huf vorliegt.
  • Häufig äußert sich dies in einer mehr oder weniger starken Lahmheit. In Extremfällen weigern sich Pferde komplett zu laufen.
  • das Gangbild: Weniger empfindliche Pferde willigen wenigstens noch den Gang zur Koppel (im Schritt) ein. Betrachtet man die Schrittfolge bzw. das Gangbild eines von Hufrehe betroffenen Pferdes, so ist deutlich erkennbar, dass das Pferd versucht, die schmerzhafte Zehe zu entlasten. Dies macht es, indem es zuerst mit Ballen und Trachten auftritt. Weiterhin wird der Gang kurz und flach, damit die Zeit, in der das gesamte Körpergewicht von nur drei Beinen getragen wird, möglichst kurz wird. Das Pferd läuft staksig!
  • Betroffene Hufe: In den meisten Fällen sind beide Vorderhufe betroffen und manchmal auch die Hinterhufe.
  • Je nach Verlauf der Erkrankung nimmt das betroffene Pferd die sogenannte Sägebockstellung ein: Dabei versucht das Pferd, seine Hinterbeine so weit wie nur möglich unter den Bauch zu stellen. Gleichzeitig verlagert es seinen Körperschwerpunkt nach hinten, sodass die Belastung der Vorderhufe hauptsächlich von den Trachten getragen wird.
  • Auffälliges Verhalten: Auf Grund der Schmerzen, zeigen die Pferde ein ungewöhnliches Verhalten, welches vorerst auf andere Erkrankungen schließen lässt. Beispielsweise zeigen einige Pferde ähnliches Verhalten einer Kolik. Sie fressen nicht, krümmen den Rücken vor Schmerzen oder legen sich hin.

 

Behandlung von Hufrehe

Folgende Erst-Maßnahmen sollen sofort eingeleitet werden.

  • Rufe deinen Tierarzt an (medikamentöse Behandlung und Gabe von Schmerzmitteln)
  • Stelle die Ursache ab
  • Stelle dein Pferd auf einen weichen Untergrund
  • kühle das Röhrbein des Pferdes mit eiskaltem Wasser (0°C bis -5°C) ununterbrochen 72 h lang

Weitere Therapiemaßnahmen erfolgen in enger Abstimmung mit dem Tierarzt und dem Hufschmied bzw. Hufbearbeiter. Wichtig ist eine korrekte Hufbearbeitung, damit der Hufbeinmechanismus wieder funktionieren kann.

 

Therapieansätze

Kühltherapie /Eiswassertherapie

Eine Kühltherapie kann die Auswirkungen der Hufrehe auf den Hufbeinträger verhindern oder bei einem akuten Reheschub reduzieren. So wird die Kühlterapie angewendet:

  • ununterbrochene Kühlung (72 Stunden) mit Eiswasser (0°C bis -5°C)
  • die Kühlung erfolgt am Röhrbein, nicht am Huf (Hufhorn ist ein Wärmeisolator)
  • verwendet wird Eiswasser (Eiswürfel oder Crush-Eis in kaltem Wasser)
  • zur Anwendung sollten Kryotherapiestiefel kommen
  • Kühl- oder Eismanschetten verschaffen keine ausreichende Kühlung

Blutegeltherapie

  • eine Studie der DHG e.V. zeigt, dass bei 845 der erhobenen Hufrehefällen eine deutliche Verbesserung eingetreten ist
  • erfolgt die Therapie innerhalb der ersten 3 Tage nach Auftreten der ersten Rehesymptome ist die Wirksamkeit sogar 100%
  • hier kannst du die Studie nachlesen: Studie zur Blutegeltherapie bei Hufrehe der Pferde vom DHG e.V.

Laserakupunktur

  • die Laserakupunktur hat heilenden Einfluss auf Gewebe, besonders bei Enzündungen

Entlastung des Hufbeinträgers

  • Sohlen-Strahl-Polster – Unterpolsterung mit Verbandswatte,Equimoll oder Schafwolle im Bereich des Strahl- und Sohlenbereiches, dass der Tragrand schwebt
  • tritt keine Verbesserung des schmerzhaften Zustandes ein, kann das Polster so geändert weden, dass der Bereich der Sohle vor der Strahlspitze ausgespart ist

Ruhe für das Pferd

  • das Pferd soll sich so wenig wie möglich bewegen und sich so häufig wie möglich hinlegen
  • schaffe weiche!! Bodenbedingungen wie Sand oder dickes Einstreu

 

Interessante Veröffentlichungen des DHG e.V.

DHG e.V. – Chronische Rehehufe und Sanierung – Artikel aus Sachsens Pferde

DHG e.V. – Hufrehe im Winter – Artikel aus Sachsens Pferde

DHG e.V. – Risikohufe und Hufrehe – Artikel aus Sachsens Pferde

DHG e.V. – Was passiert bei Hufrehe – Artikel aus Sachsens Pferde

Quellen:
www.hufrehebehandlung.de/hufrehe-definition.html
www.dhgev.de/hufkrankheiten/hufrehe/erste-hilfe-massnahmen
www.dhgev.de/hufkrankheiten/hufrehe/artikel-und-vortraege/

 

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