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Futterneid bei Pferden

Pferde sind Lauf -, Flucht- und Herdentiere, aber auch Dauerfresser. Gerade ein ausreichendes Angebot an Rau-, Saft- und Ergänzungsfutter ist äußerst wichtig für eine gesunde und ausgewogene Ernährung des Pferdes. Dabei kommt es gerade in einer Herde nicht selten zu Rangeleien an den Futterstellen oder Heuraufen. Für den Menschen sieht es aus wie „Futterneid“. Dabei ist dies ein Phänomen, welches bei Konkurrenzkämpfen zwischen zwei oder mehreren Herdenmitgliedern zu beobachten ist. Jedes Pferd will am meisten fressen (Überlebensinstinkt) und verteidigt deshalb auch das eigene Futter vor anderen Pferden. Dabei ist es egal, ob es die Mahlzeit nötig hat oder nicht. Dieses Verhaltensprinzip ist auf die ursprünglichen Wildpferde zurückzuführen. Sie leben in Herden, bestehend aus einem Leithengst, einer Leitstute und anderen Mitgliedern (Junghengste, Stuten, Fohlen). Die Rangordnung spielt eine enorm wichtige Rolle. Diese Position gilt es zu erhalten.

Von Generation zu Generation haben sich das Aussehen und die Verhaltensweisen der Pferde kaum verändert. Sowohl früher als auch heute wissen Pferde und auch andere Lebewesen, das Futteraufnahme ein elementarer Grundbaustein ist, um in der Wildnis oder auf der Koppel zu überleben. Demnach will jedes einzelne Tier möglichst viel fressen. Trotzdem kann es zu Streitigkeiten kommen, nämlich genau dann, wenn die Rangposition innerhalb einer Herde ausgetestet wird. Wer stärker ist, kann sich durchsetzen und darf zuerst oder eben mehr fressen. Diese Verhaltensmuster sind sehr gut daran zu beobachten, wenn wann mit einer Futterkarre in den Stall kommt. Wenn es um Futter geht, hört in den meisten Fällen die Pferdefreundschaft auf und jedes noch so liebe Pferd kann zur Zicke oder zum Monster werden. Denn es herrscht „Futterneid“. In vielen Fällen ist es nicht die Unruhe oder Stress, welche die Pferde nervös und hippelig machen, sondern Erinnerungen an früher erfahrene Verletzungen oder Schäden, welche sie sich bei einem Konkurrenzkampf zugezogen haben. Der liebe Koppelkollege kann in der Box schnell sehr lästig werden, wenn es ums fressen geht und er trotzdem zu nahe kommt. Denn wie auch bei uns Menschen besitzen Pferden einen Wohlfühlbereich, in dem sie Platz und Raum für sich selber haben.

Gerade beim Thema Futter pflegen Pferde einen gewissen Sozialabstand. Wenn also ein anderes Tier in diesen Bereich eindringt, kommt es nicht selten zu Auseinandersetzungen in Form von Drohungen, Beißen, Treten, etc. Dieser Individualabstand kann manchmal etwas kleiner und manchmal etwas größer, aber in der Regel 1 bis 2 Pferdelängen betragen. Um größere Rangeleien oder das vermehrte Auftreten von Konkurrenzkämpfen und die damit verbundene Verletzungsgefahr zu vermeiden, kann man angebotene Heut -und Futterraufen so umstellen, dass genügend Platz vorhanden sind, gegebenenfalls sogar mehrere Futterstellen anbieten, damit sich die Tiere aus den Weg gehen können. In den Boxen können die Futterkrippen umgestellt werden oder man versucht, Pferde, die sich sehr gut verstehen, nebeneinander zu stellen, um das Futterneid-Risiko zu minimieren.

Klar steht, dass Futterneid ein völlig natürliches Sozialverhalten ist und in jedem Sozialsystem zu beobachten ist. Konkurrenzkämpfe sind nicht vollkommen zu unterbinden, doch wenn sie überhand nehmen, sollte der Mensch entsprechende Maßnahmen vornehmen, um mögliches Verletzungspotenzial zu minimieren.

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